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Kriterien für eine
gelingende Ökumene

7.-9. Februar 2003: Gemeindeentwicklungskongress der Evang. Landeskirche in Böblingen

Das Ökumenische Gemeindezentrum beteiligt sich mit einem
Workshop „Gelebte Ökumene vor Ort“.Gelebte Ökumene unter einem Dach

Lokaltermin Ökumene im Ökumenischen Gemeindezentrum Böblingen-Diezenhalde

Ende der 1970er Jahre liegen die Anfänge ökumenischer Bestrebungen für das damals entstehende Neubaugebiet Böblingen-Diezenhalde. 1981 wurde eine provisorische Baracke errichtet, die der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde als Gottesdienstraum und Gemeindehaus diente. Dann wurde das Ökumenische Gemeindezentrum geplant und gebaut, das 1990 eingeweiht wurde. Durch seine Architektur hat es eine große Wirkung auf die hier praktizierte Ökumene.
 
Ein hohes weißes Band umfasst die verschiedenen Bauteile des Gemeindezentrums Diezenhalde, in dem zwei christliche Gemeinden ihre Heimat haben. Ein Rundbau dient der katholischen Vater-unser-Gemeinde als „Großer Sakralraum“, der rechteckige „Kleine Sakralraum“ wird von der evangelischen Christuskirchengemeinde genutzt. Daneben bieten viele große und kleine Räume Möglichkeiten für vielerlei Veranstaltungen, und im Untergeschoss sind Räume für Kinder- und Jugendgruppen eingerichtet. So kann jede Gemeinde ihre Besonderheiten weiterpflegen, und gleichzeitig gibt es genug Gelegenheiten, wo beide Gemeinden zusammen leben und feiern können.

„Auf dass sie alle eins seien“ steht auf dem Grundstein im Eingangsbereich. In ökumenischer Offenheit und Freundschaft bemühen wir uns, dieses Haus mit Leben zu füllen.

Für den Workshop auf dem Gemeindeentwicklungskongress hat eine ökumenische Arbeitsgruppe die kurze, aber ereignisreiche und auch wechselvolle Geschichte der Ökumene auf der Diezenhalde reflektiert, das Gemeindezentrum sich noch einmal neu erschlossen und die ökumenischen Veranstaltungen analysiert. Daraus sind Kriterien erwachsen, die wir für wichtig halten.

Das sind unsere Erfahrungen, worauf es ankommt, damit Ökumene gelingt:

  • Gute zwischenmenschliche Beziehungen sind die Grundvoraussetzung; Hauptamtliche und Ehrenamtliche müssen miteinander können und wollen. Die Beziehungsebene muss stimmen und daran muss auch gearbeitet werden. So leicht die zwischenmenschlichen Beziehungen zum Problem werden können, so sehr sind sie auch ein großes Plus für das Miteinander, wenn ihre Pflege gelingt. Je mehr man sich kennt, sich begegnet, etwas gemeinsam unternimmt, desto eher knüpft sich ein Netz gegenseitiger Beziehungen. Ein großes ökumenisches Gemeindefest im Jahr 2002 oder das jährliche gemeinsame Grillen der beiden Kirchengemeinderäte sind dafür Beispiele.
  • Gemeinsame Aktionen und gemeinsames Erleben sind wichtig. Verschiedene ökumenische Aktivitäten und gemeinsame Veranstaltungen haben sich entwickelt, die Gemeindeglieder beider Gemeinden zu ihrer Sache gemacht haben. An Gründonnerstag gibt es beispielsweise eine besonders gestaltete gemeinsame Abendmahlsfeier, die Gottesdienste an Karfreitag und Ostersonntag werden ökumenische gefeiert. Es gibt ökumenische Sommergottesdienste: an sechs Sonntagen in der Ferienzeit gibt es jeweils nur einen gemeinsamen Gottesdienst, diese ökumenischen Sommergottesdienste bilden eine thematische Reihe (2002: „Tricks und Kniffe in der Bibel“) und sie werden von einem ökumenischen Team vorbereitet. Ein ökumenisches Projekt ist auch die „Sternstunde“ – ein Abendgottesdienst für alle Sinne, der vierteljährlich stattfindet und aufwändig vorbereitet wird.
  • Genügend Information: Das Wissen um die Unterschiede zwischen den konfessionellen Traditionen, das Verstehen anderer Formen, das Kennen der Lieder der anderen Gemeinde erleichtert das Zusammenkommen. Je mehr man voneinander weiß, desto weniger wirkt befremdlich, desto unverkrampfter kann man miteinander umgehen. Dazu muss jede Seite Interesse und die Bereitschaft zum Mitmachen auch bei dem, was einem selbst zunächst fremd ist, mitbringen. Für ökumenische Gottesdienste ist ein Wissen um liturgische Eigenheiten sehr hilfreich. Und die Verantwortlichen müssen darauf achten; zum Beispiel drucken wir auf Liedblätter für ökumenische Gottesdienste auch immer die liturgischen Formen, etwa beim Friedensgruß oder zum Abschluss der Lesung, damit nicht die eine Seite etwas selbstverständlich auswendig spricht, während die anderen nicht wissen, was geschieht.
  • Respektvoller Umgang miteinander: Gemeinsamkeiten entstehen nicht von alleine, sondern dadurch, dass sie bewusst gesucht und gestaltet werden. Wichtig ist, dass man die jeweils andere Gemeinde auch mit im Blick hat und einzubeziehen versucht. So war es für uns selbstverständlich, dass wir diesen Workshop für den Gemeindeentwicklungskongress der evangelischen Landeskirche ökumenisch vorbereiten. Und für Glieder der katholischen Gemeinde war es selbstverständlich, sich hier einzubringen und mitzuarbeiten.
  • Die räumlichen Gegebenheiten spielen eine wichtige Rolle. Unser ökumenisches Gemeindezentrum ist ein Schatz, auf den wir stolz sind. Wir sind hier unter einem Dach und nah beieinander, das heißt: viele Räume werden gemeinsam benutzt und man begegnet sich, oft auch nur so zwischendurch. Besonders wichtig ist ein großes Foyer als Ort der Begegnung. Als besondere Tradition gibt es beispielsweise ein gemeinsames Punsch- und Glühweintrinken nach der Christmette an Heiligabend. Jede Gemeinde feiert für sich den Spätgottesdienst an Heiligabend, und wir bemühen uns, zu einem gemeinsamen Zeitpunkt fertig zu werden, damit wir uns anschließend zum Glühwein im Foyer treffen können.
  • Die Situation im Neubaugebiet fordert uns zur ökumenischen Gemeinsamkeit heraus. Hier leben viele junge Familien, die meisten sind nicht traditionell kirchlich gebunden. Im Stadtteil gibt es viele konfessionsverschiedene Familien, für sie ist die Ökumene ein selbstverständliches Anliegen; nicht sie, sondern die Trennung bedarf der Rechtfertigung. So ist auch unser ökumenischer Kleinkindgottesdienst entstanden, weil evangelische und katholische Eltern für und mit ihren kleinen Kindern einen Gottesdienst wollten. Weil für sie die Konfessionsfrage ohne Bedeutung war, ist dieser Kleinkindgottesdienst ganz selbstverständlich ein ökumenisches Projekt geworden.
  • Gemeinsame Ziele und Inhalte: Eine gelingende Ökumene ist für viele ein ganz großes Anliegen. Sie hat eine breite Basis, sie wird von vielen passiv gut geheißen und von vielen aktiv unterstützt und vorangetrieben. Der Grundstein im Foyer des Ökumenischen Gemeindezentrum mit der Aufschrift „... auf dass sei alle eins seien“ macht aber auch deutlich, dass das Zusammengehen nicht in unser Belieben gestellt ist, sondern dass wir dazu durch unseren Glauben verpflichtet sind.
  • Natürlich ist auch unsere Ökumene keine heile Welt. Es gibt genug Stolpersteine, die zum einen Teil von kirchenamtlicher Seite kommen, zum anderen Teil bei uns auftreten. Dafür müssen die Beteiligten ein waches Auge haben. Viele Stolpersteine liegen im organisatorischen Bereich: zwei Pfarrämter mit zwei Gemeindebüros und zwei Kalendern müssen koordiniert werden. Eine Hilfe ist für uns, dass wir statt ehemals zwei Hausmeisterinnen nun für beide Gemeinden eine gemeinsame Hausmeisterin haben. Zum Gelingen der Ökumene gehört also auch, die immer wieder auftretenden Stolpersteine, seien sie theologischer oder organisatorischer Natur, beharrlich aus dem Weg zu räumen.

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